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Wenn die Historie schwierig ist – und die Übernahme trotzdem gelingt

Viele Unternehmensübernahmen scheitern nicht an fehlender Motivation oder fachlicher Kompetenz, sondern an den Zahlen. Unbefriedigende Vergangenheitsdaten, schwankende Ergebnisse oder lückenhafte Dokumentation erschweren Finanzierungen erheblich. Genau vor dieser Situation stand Dominik Hell, als er zum 1. Januar 2026 einen etablierten Frankfurter Motorrollerbetrieb übernahm und unter neuem Namen weiteführte. Was auf den ersten Blick wie ein Risiko erschien, entwickelte sich mit strukturierter Vorbereitung zu einer tragfähigen Nachfolgelösung.

Ein etabliertes Unternehmen mit schwieriger Ausgangslage

Der Vorgängerbetrieb war seit vielen Jahren im Frankfurter Markt für Verkauf, Reparatur und Tuning von Motorrollern bekannt und verfügte über eine treue Stammkundschaft sowie einen guten Ruf in der Region. Gleichzeitig hatten die Jahre zwischen 2021 und 2024 deutliche wirtschaftliche Spuren hinterlassen: Aufgrund einer persönlichen Situation des damaligen Inhabers blieb zu wenig Zeit für das Unternehmen. Besonders der Vertrieb hatte darunter gelitten – eine echte zweite Vertriebskraft fehlte, und die Verkaufszahlen entwickelten sich rückläufig. Die wirtschaftlichen Ergebnisse waren erklärungsbedürftig, Entwicklungen nicht eindeutig nachvollziehbar und belastbare Planungen kaum möglich.

Dominik Hell kennt das Unternehmen von Grund auf: Seit 20 Jahren ist er dem Betrieb verbunden – zunächst als „Schrauber“, später als Werkstattleiter. Er weiß, wie das Geschäft funktioniert, kennt die Kunden und kennt die Abläufe. Diese fachliche und persönliche Verwurzelung war ein wesentlicher Faktor für die Tragfähigkeit der Nachfolge.

Für einen Nachfolger entstand aus der wirtschaftlichen Ausgangslage dennoch ein zentrales Hindernis: Ohne nachvollziehbare wirtschaftliche Grundlage lässt sich kaum ein Finanzierungspartner überzeugen – selbst dann nicht, wenn das operative Potenzial des Unternehmens offensichtlich ist.

Vertrauen schaffen, wo Unsicherheit besteht

Obwohl sich im Jahr 2025 bereits eine deutliche Stabilisierung abzeichnete, musste zunächst aus einer schwierigen Vergangenheit ein überzeugendes Zukunftsbild entwickelt werden. Kapitalgeber interessieren sich weniger für einzelne schlechte Jahre als für die Frage, ob ein Unternehmen künftig tragfähig wirtschaften kann. Dafür mussten die historischen Geschäftszahlen sorgfältig analysiert, Zusammenhänge verständlich eingeordnet und daraus realistische Planannahmen abgeleitet werden. Ebenso wichtig war es, Risiken offen zu benennen und nicht auszublenden. Erst durch diese systematische Aufarbeitung entstand ein Businessplan, der nicht nur Zahlen enthielt, sondern eine nachvollziehbare wirtschaftliche Geschichte erzählte.

Von der Analyse zur Finanzierung

Gemeinsam mit den Wirtschaftspaten Frankfurt wurden die vorhandenen Unternehmensdaten strukturiert aufgearbeitet und in eine belastbare Zukunftsplanung überführt. Ziel war ausdrücklich nicht, die Vergangenheit zu beschönigen, sondern sie erklärbar zu machen und daraus realistische Perspektiven abzuleiten.

Der daraus entwickelte Businessplan wurde zum zentralen Instrument in den Gesprächen mit Finanzierungspartnern. Er zeigte, welche Maßnahmen bereits Wirkung entfalteten, wie sich das Unternehmen stabilisieren konnte und welche Entwicklung unter realistischen Annahmen erreichbar war. Parallel dazu erhielt der neue Inhaber Unterstützung beim Übergang in seine unternehmerische Verantwortung – insbesondere bei den Entscheidungen, die in den ersten Monaten nach einer Übernahme langfristige Weichen stellen.

Auf dieser Grundlage konnte schließlich die Finanzierung erfolgreich umgesetzt werden.

Kontinuität im Übergang

Ein weiterer Erfolgsfaktor lag in der Gestaltung der Übergangsphase. Der bisherige Inhaber bleibt für bis zu drei Jahre als Mitgeschäftsführer im Unternehmen. Dadurch wird wichtiges Erfahrungswissen erhalten, während gleichzeitig neue Strukturen und unternehmerische Impulse eingeführt werden. Gerade bei mittelständischen Nachfolgen entscheidet diese Verbindung aus Kontinuität und Erneuerung häufig darüber, ob ein Übergang stabil verläuft
Nach der Übernahme richtet sich der Fokus darauf, die begonnene Stabilisierung konsequent fortzuführen. Kundenbindung, eine verlässliche Mitarbeiterentwicklung und die stärkere Nutzung digitaler Kommunikationskanäle spielen dabei eine wichtige Rolle. Ziel ist es, die über Jahre aufgebaute regionale Marke weiter auszubauen und gleichzeitig neue Kundengruppen zu erreichen. Entscheidend bleibt dabei die Servicequalität – denn langfristige Kundenloyalität entsteht nicht durch Marketing allein, sondern durch dauerhaft verlässliche Leistung.

Was dieser Fall zeigt

Das Beispiel macht deutlich, dass schwierige Vergangenheitszahlen eine Unternehmensnachfolge nicht verhindern müssen. Entscheidend ist vielmehr, ob es gelingt, aus vorhandenen Daten glaubwürdige Zukunftsaussichten zu entwickeln. Banken und Finanzierungspartner finanzieren keine perfekte Historie, sondern nachvollziehbare Planung und unternehmerische Klarheit. Eine strukturierte Begleitung kann dabei helfen, Unsicherheiten zu reduzieren und den Übergang in einer besonders sensiblen Phase stabil zu gestalten.

Unternehmensnachfolge ist weit mehr als ein Vertragsabschluss. Sie ist ein Prozess, in dem wirtschaftliche Analyse, Finanzierung und persönliche Verantwortung zusammenkommen – und in dem eine frühzeitige, unabhängige Unterstützung oft den entscheidenden Unterschied macht.

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